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Stocksport vs. Curling

 

Wir sind ein Stocksport-Verein. Ich muss aber auch auf eine Sportart eingehen, mit der man uns immer wieder vergleicht und auf die wir immer wieder angesprochen werden: Curling.

 

Wenn man über Stocksport oder früher Eisstockschießen redet oder auch liest, vergleicht man uns gerne mit Curling! Eine der ersten Fragen, die uns immer wieder gestellt wird: „Ist Curling das mit dem Besen?“.

 

Wikipedia schreibt bei beiden Sportarten von einer „Ähnlichkeit“ und auch mit diesem Hinweis habe ich so meine Probleme!

 

Warum das so ist, ist einfach zu erklären:

Sowohl Curling als auch Stocksport sind olympische Sportarten. Der große Unterschied liegt aber darin, dass Curling eine Disziplin bei den Olympischen Spielen ist und somit ständig im Fernsehen präsent – wir leider nicht.

 

Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, ich hätte irgendein Vorurteil gegen Curling. Ganz im Gegenteil. Curling, das man gerne als „Schachspiel auf Eis“ bezeichnet, ist im Fernsehen faszinierend anzusehen.

 

Trotzdem halte ich den Vergleich von Stocksport mit Curling als irreführend.

 

Warum?

 

Beide Sportarten haben sich geschichtlich in weit von einander entfernten Regionen Europas (Schottland und Skandinavien) ohne jeden gegenseitigen Einfluss entwickelt.

 

Entscheidend sind aber die Unterschiede in der Ausführung. Nur weil beide auf Eis ausge­tragen werden, müssen diese keine Ähnlichkeit miteinander haben.

 

Um dies zu verdeutlichen, ein absolut „hinkender“ Vergleich.

 

Beim Handball käme niemand auf die Idee, von einer „Ähnlichkeit“ mit Basketball zu reden, obwohl bei beiden Sportarten zwei Mannschaften in einer Halle, mit einem Ball in den Hän­den und auf einem klar definierten Spielfeld, gegeneinander antreten - mehr Gemeinsam­keiten gibt es hier nicht!

 

Und wie sieht ein Vergleich Stocksport mit Curling aus? Nachfolgend einige, aber wesentli­chen Unterschiede:

 


 

Stocksport

Curling

OrtIm Winter auf Eis, im Sommer auf Asphalt / Pflaster. Auf bei­den Untergründen wird mit dem gleichen Spielgerät, aller­dings mit speziellen Winter- bzw. Sommerlaufplatten ge­spieltÜberwiegend auf Eis. Eine Be­sonderheit ist Floor- oder Street-Curling in Sporthallen, für das jedoch ein anderes Spielgerät genommen werden muss
Untergrund im WinterGerieftes Standardeis ohne weitere Vorbereitung bzw. AufarbeitungSpeziell präpariertes (gepeb­bletes) Eis
Spielfeld3 m x ca. 30 m, quer zur Standar­deisfläche5 x ca. 45 m (150 Fuß), lange Seite der Eisfläche
Zielfeld3 x 6 mDas „Haus“, ein Kreis mit 6 Fuß (ca. 1,80 m) Durchmesser
ZielBewegliches Ziel (Daube), die innerhalb des Zielfeldes frei be­weglich istFest eingezeichnetes Ziel
Spielgerät

3teiliger Eisstock (Platte, Eis­stock, Griff)

Gewicht: ca. 3 – 5 kg

Während eines Spiels darf die Platte gewechselt werden 

1teiliger Granitstein

Gewicht: ca. 17 – 20 kg

Eine Veränderung ist nicht möglich!

TechnikAbschuss stehend aus einer Schwungbewegung des Arms herausAbstoßen des auf dem Eis lie­genden Stein, mit der Hand führend
Lauf des Sport­gerätes zum ZielIst nur durch den Arm beein­flussbar, der beim Abschuss Richtung und Geschwindigkeit vorgibtKann durch Wischen (Sweeping) mit dem Besen in Tempo und Richtung beeinflusst werden
Teamgröße4 Spieler:innen mit variablen Aufgaben je nach Situation4 Spieler:innen mit festen Posi­tionen und Aufgaben, die vor­her benannt werden müssen und während des Spiels nicht verändert werden dürfen
Spiele6 Kehren8 – 10 „Ends“
Olympische Diszi­plinJA, bei olympischen Spielen aber kein zugelassener Wettbe­werbJA

Außer dass hier also 2 Mannschaften gegeneinander spielen und es darum geht, sein Sport­gerät so nah wie möglich an das Ziel heran zubekommen, gibt es keine Gemeinsamkeiten und somit kann man nach meiner Meinung nur sehr bedingt von einer Ähnlickeit sprechen.

 

Hans-Peter Schilling